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Niemalswelt


“Wir waren Songs in Endlosschleife, Fliegen in einem Einmachglas, Schreie in einem Canyon, deren Echo nie verhallt.“

So versucht die Protagonistin Bee die paradoxe Situation, in der sie mit ihren vier Freunden im wahrsten Sinne des Wortes gefangen ist, irgendwie in Worte zu fassen und zu verstehen. Denn ein Jahr nachdem Jim, der Sechste ihrer Gruppe, auf ungeklärte Weise gestorben ist, treffen sie sich wieder in einem Haus an der Küste. Doch von nun an jagt ein angsteinflößendes Ereignis das nächste: Nachts entgehen sie nur knapp einem Autounfall, dann klopft plötzlich ein Unbekannter an ihre Tür, verhält sich wie in einem Horrorfilm und will ihnen erzählen, dass der Unfall wirklich passiert ist. Bis die fünf seinen Worten aber Glauben schenken, vergeht eine schiere Ewigkeit und doch zugleich nicht einmal ein Tag. Denn sie sind gefangen in einer endlosen Zeitschleife, der Niemalswelt. Die nicht einmal elf Stunden vor dem Unfall wiederholen sich immer und immer wieder, sechshundertzweiundsiebzig Minuten und dann beginnt alles wieder von vorne. Kipling, Whitley, Cannon, Martha und Bee hatten wirklich einen Unfall und sind alle gestorben, alle bis auf einen – doch wer von ihnen das ist, müssen sie einstimmig beschließen. Solange sind sie gefangen in dieser Welt zwischen Leben und Tod, in der sie unsterblich sind, nicht altern und jeden Tag aufs Neue an ihrer Ausweglosigkeit verzweifeln. Irgendwann schaffen sie es dann endlich, sich aufzurappeln und anstatt gegeneinander, zusammenzuarbeiten. Vielleicht liegt der Schlüssel zur Entscheidung ja in ihrer Vergangenheit, in all den Geheimnissen, die sie voreinander haben und in dem Tod von Jim, an dem sie alle irgendwie ihren Anteil gehabt zu haben scheinen …

Ein Fantasy Roman mit der typischen Teenager – Geheimnisse – Tod Konstellation? Auf den ersten Blick vielleicht, doch in dem sehr emotionalen Roman von Marisha Pessl stecken viele philosophische Fragen und Themen, mit denen auch wir uns früher oder später auseinandersetzen: das Leben, dessen Sinn, Kostbarkeit und Fragilität, Freundschaft und Liebe. Nicht zuletzt das macht das Buch so besonders; ebenso die präzise und stellenweise fast poetische Wortwahl, die Sensibilität, mit der die Gefühle der Charaktere beschrieben werden, und der bewegende Schreibstil. So schafft es die amerikanische Bestsellerautorin nicht nur die Charaktere in ihrer Zeitschleife zu fesseln, sondern den Leser auch regelrecht ans Buch. Packend, unvorhersehbar, nervenzehrend. Eine wirklich berührende und fast prägende Geschichte über Zeit, unsere Jugend und wofür es sich zu kämpfen lohnt.
Und eine absolute Empfehlung ab 14 Jahren für alle Fantasy Fans, für alle Nicht-Fantasy Fans, für alle Philosophen und Antwortensucher und für alle, die gerne spannende Bücher lesen!

Maren, 10a

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