· 

How dare you


Gestern Abend hat mir eine Frau gesagt, wir Schüler sollten lieber Müll sammeln gehen, anstatt zu demonstrieren. Fast klischeehaft ist sie dann, nachdem sie ihren Döner gegessen hatte, in ihren SUV gestiegen und nach Hause gefahren. Am liebsten hätte ich dieser Frau Greta Thunbergs „How dare you“ (= „Wie wagst du/wagt ihr es?“) an den Kopf geschmissen. Wenn wir so weitermachen, wie bisher, wenn wir Fleisch (fr)essen und SUV fahren und mit dem Flugzeug von München nach Berlin fliegen und nur den anderen die Schuld in die Schuhe schieben, dann wirds für meine Kinder nix mehr mit nach Amsterdam fahren, weil die Niederlande schon lange zusammen mit einigen asiatischen Ländern untergegangen sind. Verdammt nochmal, wir haben doch keine Zeit mehr! Die Dinosaurier dachten mit Sicherheit auch, sie hätten noch Zeit, und jetzt sind sie ausgestorben. Die Wissenschaft ist doch so eindeutig. Und trotzdem geht so wenig voran, alle reden, aber kaum jemand handelt.

 

Ja, inzwischen reden alle darüber und es haben auch die meisten den Klimawandel verstanden und das KHG ist auch Umweltschule geworden und das finde ich wirklich (!) toll, aber wenn die SchülerInnen oder LehrerInnen dann in den Ferien doch für eine Woche nach New York oder was weiß ich wohin fliegen, kann man das auch gleich lassen. Was müssen wir denn tun, damit die Welt aufwacht? Lauter schreien, mehr demonstrieren, radikaler werden, Schulstreik, Aktivismus? Fahrrad fahren, Handzettel und Politikerbriefe schreiben, Müll trennen und sammeln und am besten überhaupt so wenig Verpackung wie möglich kaufen. Ich verstehe es nicht. Was ist so schwer daran? Was ist so schwer daran, die Studien zu lesen, die Dokumentationen zu schauen und die Reden anzuhören und dann zu handeln? Spüre nur ich diese Angst, diese Verzweiflung und Ohnmacht in meiner Brust?

 

Greta Thunberg hat in ihrer Rede auf dem UN-Klimagipfel treffende Worte dafür gefunden: „You say you hear us and that you understand the urgency. But no matter how sad and angry I am, I do not want to believe that. Because if you really understood the situation and still kept on failing to act, then you would be evil. And that I refuse to believe.“ (= „Ihr sagt, dass ihr uns hört und dass ihr die Dringlichkeit verstanden habt. Aber egal wie traurig und wütend ich bin, das will ich nicht glauben. Denn wenn ihr die Situation wirklich verstanden hättet und trotzdem daran scheitert, zu handeln, dann wärt ihr böse. Und ich weigere mich, das zu glauben.“)


Ob der Flug nicht zu vermeiden gewesen wäre, wir doch in Wahrheit nur Schule schwänzen würden oder ob du glaubst, dass es auf die eine Autofahrt mehr oder weniger auch nicht mehr ankommen würde, interessiert mich nicht und die Erde noch viel weniger. Das sind AUSREDEN. Der Erde sind diese Ausreden egal, aber was ihr nicht egal ist, ist das CO2, das dadurch in unserer Luft landet. Ich glaub dir schon, dass Hühnchen lecker ist, New York eine wunderschöne Stadt und dass du dein Leben in vollen Zügen genießen möchtest. Man hat ja schließlich nur ein Leben und das sollten wir nutzen, da gebe ich dir vollkommen recht. Aber wir haben auch nur eine Erde, und die brauchen wir für dieses Leben. Denn wem ich auch glaube, sind die Studien, die von den Folgen des Klimawandels und Erderwärmung erzählen.


Erderwärmung heißt auf Französisch übrigens le réchauffement climatique, das haben wir vor zwei Wochen im Unterricht gelernt. Unser Französischbuch ist 11 Jahre alt und schon damals haben sie uns über 10 Seiten hinweg erklärt, was Klimawandel ist, wie ernst die Lage ist und was jeder einzelne von uns dagegen tun kann. Und jetzt? Ich bin jetzt vierzehn Jahre alt, habe mein Leben noch vor mir, aber so wie unsere Gesellschaft die Erde gerade in den sicheren Abgrund treibt, weiß ich nicht, ob ich weinend oder schreiend oder hoffnungslos in die Zukunft blicken soll. „How dare you continue to look away and come here saying that you're doing enough, when the politics and solutions needed are still nowhere in sight.” (= “Wie wagt ihr es, immer weiter wegzuschauen und dann hierher zu kommen und zu sagen, ihr würdet genug tun, während die Politik und die notwendigen Lösungen nirgends in Sicht sind.“, Greta Thunberg)? Wie wagt ihr es?


Beim Überleben gibt es keine Grauzonen, entweder ihr macht es, oder ihr macht es nicht. Und im Moment macht ihr es nicht.
Ja, Du. Reden ist ja schön und gut, aber handeln?


Ich soll nicht nur andere beschuldigen, nicht alles so überdramatisieren und Müll aufsammeln, statt zu demonstrieren? Ich will doch bloß für eine Zukunft kämpfen, die lebenswert ist. Wären Bäume WIFI-Sender oder die Erde eine Bank, hätten wir sie doch schon längst gerettet. Ach was für ein Glück, dass es nur um unsere Zukunft, um unser Leben geht. Da kann ich ja beruhigt wieder IN DEN SANDKASTEN KLETTERN!

Maren (10a)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Impressum

KURTschluss | Die Schülerzeitung des KHG

 

Kurt-Huber-Gymnasium

Adalbert-Stifter-Platz 2

82166 Gräfelfing

 

E-Mail: schuelerzeitung (at) mykhg (dot) de

Link zur Schulhomepage

Die Verantwortlichen dieser Seite

Die Redaktion

Wer sich hinter den Kürzeln verbirgt, wer für alles verantwortlich ist und wer all die tollen Ideen hat, erfährst Du hier unter dem Schlagwort
"Wir über uns".