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Tschö mit Ö


Adios Umlaute, Genitiv und Konjunktiv – auf Nimmerwiedersehen?

 

Wir benutzen keine Kutschen mehr, um von einem Ort an den anderen zu kommen, sondern schnelle Autos. Wir verschicken keine romantischen Liebesbriefe mehr, sondern tippen kurze Textnachrichten. Wir sind nicht mehr auf Kerzenschein angewiesen, sondern können den Lichtschalter umlegen. Unsere Umgebung verändert sich immerzu. Und nicht nur unsere Umgebung, sondern auch wir selber. Wir gehen aufrecht, wir sind keine Nestflüchter mehr, sondern Nesthocker und wir sagen nicht mehr: „Kommt, lasset uns speisen. Ich kenne ein vorzügliches Lokal. Zur Feier des Tages übernehme ich die Rechnung.“, sondern „Yalla, gehen wir Döner. Super geiler Laden. Auf meinen Nacken, Leude.“ 

 

 

 

Sprachen entwickeln sich ständig, das ist unvermeidbar. Vom Althochdeutsch zum Mittelhochdeutsch et cetera. Niemand drückt sich heute noch so aus wie Goethe zu seiner Zeit. Zurzeit ist jedoch ein besonders rasanter Sprachwandel zu beobachten. Der Grund dafür liegt auf der Hand: die Migration. 

 

 

 

Ausländer tendieren dazu, Satzstrukturen, Grammatik und Tempora stark zu vereinfachen. Verständlich. Die deutsche Sprache ist schwer zu erlernen. Den Unterschied zwischen Dativ und Genitiv kennen viele nicht, und die, die ihn kennen, haben Schwierigkeiten, die Fälle im korrekten Zusammenhang zu benutzen. „Das Auto von meinem Vater“, hört sich richtig an und die Botschaft versteht sowieso jeder. Dass es eigentlich „das Auto meines Vaters“ heißen müsste, wissen viele nicht. Auch Artikel verabschieden sich nach und nach aus dem Sprachgebrauch. Schon im jungen Alter fängt die Problematik mit den Worten „Wir gehen Spielplatz“ an. Die Umlaute folgen den Artikeln auf ihre Reise: „Starker“, statt „stärker“, „Beschlusse“, statt „Beschlüsse“ oder „hubsch“, statt „hübsch“. In dem Film „Fack ju Göhte“ wird diese neu entwickelte, deutsche Sprache schön dargestellt. Der erfolgreiche Film handelt von einer Gruppe Jugendliche, die anscheinend von Artikeln und Umlauten noch nie was gehört hat. Auch ihre Lehrer scheinen dieser neuen Entwicklung nicht entkommen zu können: „Wegen dem Lehrerplan, können wir uns da mal treffen und austauschen?“

 

 

 

Nicht-Muttersprachler machen häufig Fehler beim Erlernen einer neuen Sprache. Daran führt kein Weg vorbei. Deine in roter Farbe getränkte Französisch-Schulaufgabe ist das beste Beispiel dafür. Diesem Phänomen folgt dann das häufige Zusammentreffen von Muttersprachlernen mit Lernenden, welches dazu führt, dass man ihre Fehler gerne mal übernimmt. Letztendlich kann man auch trotz der Fehler meist situationsbedingt darauf schließen, was jemand sagen möchte. Die Übernahme von Fehlern und Vereinfachungen der deutschen Sprache sind zwei Gründe für die jederzeit stattfindende Evolution unserer Sprache.

 

 

 

Eine weitere Erklärung ist, dass Einwanderer häufig Sprachstrukturen aus ihrer Muttersprache übernehmen, welche dann ins Deutsche kopiert werden. Die Wortfolge im Arabischen und Türkischen unterscheidet sich von der im Deutschen. „Hab´ isch gesehen gestern“ hört sich für uns schief an, Personen, für die Deutsch eine Fremdsprache ist, halten diese Satzstellung jedoch für die korrekte. Auch das zurzeit entstehende „Denglisch“ ist ein gutes Beispiel für dieses Phänomen. Der kurze Satz „Meeten wir uns später zum Lunch?“ besteht zu mehr als 30% aus englischen Worten. Solche Wendungen sind stark verbreitet. Aber nicht nur die englische Sprache hat sich in unserem Alltag verfestigt, auch die Französische („Ich habe in der Broschüre gelesen, dass ich in Paris als Au-Pair arbeiten kann, das ist doch formidable, nicht?“) oder die Türkische. Durch den Einfluss von letzterem hat sich das „Kiezdeutsch“ entwickelt, eine neue Version der deutschen Sprache, die vor allem in Gegenden mit hohem Migrationsanteil zu hören ist.

 

 

 

Aufgrund der Globalisierung und der Flüchtlingskrise kommt die deutsche Sprache ständig in Kontakt mit anderen Sprachen und verändert sich. In Berlin beispielsweise leben Menschen aus fast 200 Staaten und jeder verändert die deutsche Sprache ein wenig. Die Auswirkungen sind positiv. Die Umgangssprache muss schnell sein, deswegen haben wir nichts dagegen, mal Artikel wegzulassen. Die Umgangssprache muss auch simpler sein als die Schriftsprache, deswegen nuscheln wir gerne mal Umlaute weg und machen uns nicht allzu viele Gedanken über den Genetiv und den Dativ. Und die Umgangssprache muss auch modern sein, deswegen übernehmen wir täglich Anglizismen in unseren Sprachgebrauch. Das macht uns cool. Man kann sich also nicht beschweren, die oftmals kritisierte Migration von Ausländern hat lediglich positive Auswirkungen auf die deutsche Sprache.

 

[ps]

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