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31. Dezember 2018, 21.00 Uhr


Leise versuchen wir ins Haus zu kommen. Lissy stolpert gegen den Kleiderständer der krachend zu Boden fällt. Wir taumeln, so schnell es uns möglich ist, die zwei Treppen zu ihrem Zimmer hoch. Lissy und ich fallen ins Bett und kichern beide wie blöd. Ich ziehe eine Decke über uns. „Sollten wir uns nicht umziehen?“ Von Lissy kommt nur ein Grummeln. „Heißt das Nein?“, frage ich. „Du stinkst nach einer Mischung aus Chips, Bier, Hugo, Pizza und Gummibärchen“, kommt es von ihr. „Du riechst auch noch nach Tofifee. Und wir sollten ein bisschen schlafen“, sage ich und drehe mich zur Wand. „Gute Nacht.“ „Schlaf gut Lissy“, kichere ich.

Beim Einsteigen ins Taxi hebt Lissy ihren Fuß so vorsichtig, als wäre es eine Wissenschaft, ihn in genau der richtigen Höhe in das Auto zu setzen. Ich schubse sie rein und sie bleibt einige Sekunden lachend auf dem Boden liegen, bevor sie sich auf einen Sitz hochhievt und ich auch mein Bestes gebe, unfallfrei auf den Platz neben ihr zu gelangen und mich anzuschnallen. Der Taxifahrer wirft uns durch den Rückspiegel einen Blick zu und schüttelt leicht den Kopf. „Die Adresse is... Richtung nach Hause lang“, sage ich in ernstem Tonfall und sehe ihn auffordernd an. „Ich kenne Ihre Adresse. Die war in der App angegeben“, gibt er zurück und fährt los.

Lissy kichert und taumelt beim Anziehen ihrer Schuhe. Ich versuche lachend, sie festzuhalten und dabei selbst meine Schuhe anzuziehen. Wir scheitern beide kläglich. „Dann gehn wir halt so“, sage ich schulterzuckend, packe meine Schuhe und den Schuh, den Lissy noch nicht anhat, in meine Tasche und wir machen uns zusammen auf den Weg nach draußen.

„Ok Leute, sorry, aber wir müssen gehen“, sage ich und stehe auf. Allerdings scheint mich eine Kraft wieder zur Couch zu ziehen und ich lasse mich fallen. Lissy kneift die Augen zusammen und versucht, scheinbar angestrengt, das Taxi mit der App zu bestellen. „Ähmmm... Braucht eigentlich einer von euch eine Waschmaschine oder eine Kuh? Hier ist ein super Angebot“, schlägt Lissy vor. „Eine Kuh wäre doch was Cooles für unseren Garten...“, überlegt Tini. „Nie wieder Rasen mähen.“ „Ok, dann kaufe ich mal“, sagt Lissy. „Mist, kein WLAN hier...“, murmelt sie zwei Minuten später enttäuscht.

„Scheiße, das tut weh!“ Meli nimmt ihr halbvolles Wasserglas uns kippt es Elija übers Gesicht. Wir alle lachen. „Warum pustest du’s auch nicht vorher aus?“, fragt Daniel grinsend. „Weil ich nicht wusste, dass du den Vodka angezündet hast, du Vollidiot“, antwortet Elija und hält eine Flasche Bier an seine Lippe. „Wie wärs, wenn wir uns alle mal beruhigen und einfach zusammen ne Runde Bierpong spielen?“, schlägt Tini vor.

„Wartet, wir haben Marius im Wald vergessen“, ruft Martin uns zu. „Ach, der findet den Weg zurück schon. Wenn die Nachbarn ihn nicht vorher finden. Ich glaub, die waren von der Weckaktion nicht so begeistert. Egal. Ich will auf den Spielplatz“, sagt Daniel und wir setzen uns wieder in Bewegung. Ich atme die kalte Nachtluft ein und genieße das Gefühl, dass sich mal nicht alles dreht. Zusammen gehen wir zum Spielplatz, der, surprise surprise, mitten in der Nacht komplett leer ist. Daniel und Elija stürzen sich sofort zu den Schaukeln und Lissy klettert die acht Sprossen zur Rutsche hoch. Oben angekommen, schaut sich mich grinsend an. „Mami, fängst du mich auf?“, fragt sie und ich lache. Ich stelle mich unten an die Rutsche und sie rutscht, was allerdings nur dazu führt, dass sie mich umwirft, wir in den Sand fallen und Marius, der gerade auf den Spielplatz kommt, mitreißen. Lachend stehen wir wieder auf.

„Der Film war echt gut“, sagt Daniel. „Ja“, kommt es von allen zurück. „Hat den jemand verstanden?“, frage ich. „Nee“, antworten alle lachend. „Ey Leute, ich hab ne mega gute Idee. Erst zünden wir die letzte Rakete und dann gehen wir in den Wald! Der Wald hat doch auch in einem Horrorfilm gespielt“, schlägt Elija vor. „Du meinst, der Horrorfilm in einem Wald“, korrigiert Lissy. „Jaja, egal.“

„Können wir den nicht auf Englisch schauen?“, kommt es zum zwanzigsten Mal aus Daniels Ecke. Und zum zwanzigsten Mal kommt von uns allen anderen ein entschiedenes: „Nein!“ „Ich versteh ja so schon nichts...“, füge ich noch hinzu. „Die waren doch mal fünf oder? Und jetzt ist es wegen der Kuh nur noch einer?“, frage ich leicht verwirrt in die Runde, während mir Lissy weiter Chips in den Mund schiebt. „Nee, ich glaub das ist ein Dämon“, antwortet Daniel mit der Stimme, mit der ein Mathelehrer dir erklärt, dass zwei plus zwei vier ist. „Kuh, Dämon alles das gleiche“, murre ich.

„Es ist jetzt eigentlich die perfekte Zeit für einen Horrorfilm“, sagt Daniel, nachdem wir es alle irgendwie auf die viel zu kleine Couch geschafft haben. Begeistert stimmen alle zu und wir versuchen gemeinschaftlich die Fernbedienung zu erreichen, was sich als nicht besonders einfach herausstellt. Elija kommt mit Chips und Gummibärchen zurück und schmeißt uns die Fernbedienung zu. „Au! Das war mein Kopf, du Spast“, lacht Lissy. Elija lässt sich rückwärts auf die Couch kippen. „Au, du Spast!“. „Das war mein Bein“. „Das tat weh, du Vollidiot“.

„Mädels können doch eh nicht exen.“ Provokant grinst Elija mich an. „Na warte du arroganter, eingebildeter...“, ich ringe nach Worten und mir wird ein Becher mit Bier in die Hand gedrückt. Elija nimmt sich auch einen. „Bereit?“ Ich nicke und auf drei trinken wir so schnell wir können. „Unentschieden!“ kreischt Lissy und hält mich fest als ich leicht Taumel. „Ich war mindestens halb doppelt so schnell“, sage ich völlig selbstüberzeugt. „Jaja, schon gut, du bist toll“, antwortet Lissy. „Revanche“, verlange ich und hab schon das nächste Bier in der Hand.

„Polizei ist da“, ruft Tini beim Reinkommen. „Was?! Polizei?!“, hakt Daniel nach, während er mehrere Flaschen unter die Couch schiebt. Oh, ich meinte, Pizza ist da“, lacht Tini. Wir anderen lachen mit. Nur Lissy scheint sich mehr für die Pizza als für den Versprecher zu interessieren, denn sie hört auf die Tofifees zu essen und steht auf. Allesmögliche unterwegs anstoßend machen wir uns auf den Weg in die Küche. „Ein Teil muss sich auf die Arbeitsplatte setzen und der andere Teil auf den Boden, sonst ist hier kein Platz“, sagt Tini. Auf die Arbeitsplatte zu klettern ist gar nicht so leicht, wie es aussieht. Dieses blöde Ding schwankt ja auch, als wäre es nirgendwo so richtig befestigt. Nach einigen gescheiterten Versuchen, die vom Gelächter der anderen begleitet werden, sitze ich oben und helfe Lissy hoch. Triumphierend schaue ich die anderen an. „Bleibt da, wo ihr hingehört, ihr Sumpfkröten!“, sage ich und muss grinsen.

„Ich hab Hunger“, jammert Lissy. „Dann bestellen wir Pizza“, beschließt Tini und begibt sich mit Ihrem Handy in den Garten, um in Ruhe telefonieren zu können. „Wir haben noch Tofifee“, sagt Daniel, läuft in die Küche und kommt kurz darauf mit einer Packung wieder. „Oh nee, ich mag die nicht, ich mag keine Nüsse“, meckere ich. Lissy hingegen zieht an der Packung. „Ich will!“, ruft sie. Daniel hält die Packung weiterhin fest. „Nein, ich bin der, der immer das Erste kriegt!“ Die Pape zerreißt und die Tofifees verstreuen sich auf dem ganzen Boden. „Was soll’s?“, kommt es von Lissy, und sie beginnt vom Boden zu essen. Wir anderen lachen nur. Daniel greift sich auch ein Tofifee und ruft: „Ich krieg immer das erste!“. „Lissy, da liegt noch eins“, sagt Daniel grinsend. Lissy schreckt aus ihrer halb schlafenden, halb kuschelnden Position auf und fragt mit einem begeisterten Blick: „Tofifee?“

„Wisst ihr was? Ihr seid echt cool“, verkündet Lissy auf der Tischtennisplatte stehend, oder eher taumelt. „Deshalb will ich meinen Plastikbecher jetzt auf ein Jahr mit neuen Freunden erheben.“ „Und was ist mit mir?“, frage ich. Sie schaut mich kurz nachdenklich an und nickt dann langsam: „Du darfst bleiben. Aber nur, wenn du deinen Becher auch erhebst.“ Ich hebe also meinen Becher hoch und die anderen tuen es mir nach. „Auf die Freundschaft!“, jubelt Lissy und trinkt.

„Wie wäre es mit einer Runde Bierpong, um das neue Jahr zu beginnen?“, fragt Elija. „Lissy und ich spielen“, sage ich und wir machen uns auf den Weg zur zweckentfremdeten Tischtennisplatte. „Ok, wir trinken immer abwechselnd und ich fange an“, stellt Lissy klar und nimmt sich den ersten Ball. Natürlich geht er daneben und Elija trifft. „Oh nee“, murrt Lissy, „kannst du bitte trinken? Ich trinke auch den nächsten.“ „Na gut“, sage ich und trinke den Becher aus. Gleich darauf trifft Daniel. „Das ist jetzt irgendwie blöd“, beschwert sich Lissy. Sie sieht mich flehend an: „Trinkst du bitte?“ Seufzend nehme ich den nächsten Becher und trinke.

Wir stoßen an und trinken alle ein bisschen was aus unseren Bechern. „Leute, ich liebe euch alle“, ruft Lissy und zieht mich und die anderen so stürmisch in eine Gruppenumarmung, dass sie ihren Hugo auf unseren Köpfen verteilt, was keinen wirklich stört. Nach einigen Glückwünschen werden die Raketen gezündet. „Ey Leute, wie wär‘s, wenn wir eine für vier Uhr oder so aufheben und dann nochmals alle Nachbarn wecken?“, fragt Elija lachend und wir stimmen alle dieser grandiosen Idee zu.

Lissy hält sich an mir fest und zieht mich mit zur Couch. „Wir sollten uns aus Sicherheitsgründen lieber hinsetzten“, sagt sie und legt sich so hin, dass ihr Kopf auf meinem Schoß liegt. „Boah, so sieht dein Kopf irgendwie richtig hoch aus. Wie ein Planet oder sowas“, teilt sie mir mit, als hätte sie gerade tatsächlich einen neuen Planeten entdeckt. „Was, wenn wir alle nur Planeten sind und irgendwann auf unseren Kreisbahnen auseinanderdriften werden?“, fragt sie und schaut dabei melancholisch ins Nichts. „Wir brauchen noch Alkohol“, rufe ich den anderen zu.

„Welches Harry Potter-Haus bist du?“, fragt Lissy Elija und nach einem Schulterzucken von ihm drückt sie nun auch ihm ihr Handy mit dem Haustest in die Hand.

„Yes!“ Ich versuche, mit Lissy einzuklatschen, allerdings verfehlen sich unsere Hände. Sie schiebt unsere übrigen Becher zu Daniel und Elija. „Trinkt, Bitches“, sagt sie grinsend und nippt an ihrem Hugo. Ich nehme Melis Becher, den sie stehen lassen hat, und trinke. „Noch jemand Lust, gegen uns zu verlieren?“, frage ich mit einem selbstsicheren Grinsen.

„Ist es nicht etwas unhygienisch, wenn ihr alle aus denselben Bechern trinkt?“, frage ich. Den Rest scheint das allerdings kaum zu stören. Elija nimmt Daniel den Becher weg und trinkt ihn aus. „Dich wird’s bald auch nicht mehr stören“, antwortet er zuversichtlich. Ich flüstere Lissy zu: „Ich kenne die seit ´ner viertel Stunde, natürlich würd‘s mir was ausmachen.“

„Kommst du jetzt eigentlich mit auf die Silvesterparty bei Daniel und Tini?“, fragt Lissy mich ungeduldig zum mittlerweile bestimmt tausendsten Mal heute. „Ok, aber ich werde nichts trinken“, stimme ich zu. „Schon gut, ich auch nicht“, antwortet sie.


Calista G. | 10d

Bildquelle "Sanduhr": "firkin", www.openclipart.org

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