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Über Mathematik und Lederhosenträger


25 Jahre lang in die Schule gehen - das wäre für viele von uns Schülern unvorstellbar, fiebern wir doch meist dem Ende der 12 Jahre herbei. Doch es geht auch anders. Tatsächlich haben wir einige an der Schule, die sich sozusagen für lebenslange Schule entschieden haben. Einer von ihnen ist Uwe Knopp, der unglaubliche 25 Jahre am KHG unterrichtet hat. 25 Jahre des Unterrichtens und Erziehens der Schüler, das zeugt meiner Meinung nach von großem Engagement und Durchhaltevermögen, denn dass Schüler nicht immer leicht zu bändigen sind, das können wir uns, glaube ich, alle ziemlich gut vorstellen. Doch jetzt hat er sich eindeutig seinen Ruhestand verdient und auch seine Enkelkinder warten vermutlich darauf, endlich mit ihm Instrumente bauen zu können. Das ist nämlich eine von Herrn Knopps besonderen Fähigkeiten, aber dazu später mehr.

 

Meine erste Frage ist eine sehr persönliche und vielleicht auch eine schwierige Frage: „Was werden Sie an Ihrer Zeit hier an der Schule am meisten vermissen?“ Würde mir jemand diese Frage stellen, ich glaube, ich wüsste nicht, was ich darauf antworten sollte, sind es doch meist die kleinen Dinge, deren Wert man oft erst nach ihrem Verschwinden erkennt. Doch Herr Knopp ist sich ziemlich sicher: Es ist der Austausch mit den Schülern, den Kollegen und auch den Eltern, der ihm am meisten fehlen wird, kleine Gespräche mit Schülern im Gang, ein Plausch im Lehrerzimmer. Oft ist er begeistert, was für ein punktuell unglaublich detailliertes Wissen einige Schüler haben und wie viel man von jedem lernen kann.

 

Doch genauso wichtig wie ein detailliertes Wissen scheint ihm eine Verbindung der verschiedenen Bereiche - so beispielsweise die Bezüge zwischen mathematischen Begriffen und der lateinischen Herkunft dieser Begriffe, so wie beispielsweise das Assoziativgesetz von dem lateinischen Wort associare (vereinigen, verbinden) kommt. Das Assoziativgesetzt ist in der Tat nicht nur in der Mathematik hilfreich, sondern kann, wie er uns in der 5. Klasse zeigte, auch sehr gut im Deutschen gebraucht werden. So gibt es einen Unterschied zwischen einem Lederhosenträger und einem Lederhosenträger. Falls ihr nicht draufkommt, schaut euch nochmal das Assoziativgesetz an! Eine sehr schöne Erinnerung an den Matheunterricht bei Herrn Knopp in der 5. Klasse ist für mich auch das "Marsmännchen-System“, doch dieses jetzt auszuführen würde zu weit gehen. Nur so viel sage ich: es ist eine wichtige Grundlage jeder Computersprache.  

 

Auf meine Frage, was sein lustigstes Erlebnis an unserer Schule war, erzählt er von einer Unterrichtsstunde, in der eine Schülerin ihn darauf hinwies, dass er Kreide an der Nase hätte. Nachdem dann alles wieder sauber war, meldete sich ein bis dahin eher ruhiger, unscheinbarer Schüler und meinte: „Herr Knopp, Sie haben noch viel mehr Kreide, Ihr ganzer Bart ist voller Kreide.“ Danach war erstmal Stille in der Klasse, doch Herr Knopp ging zu dem Schüler hin und gratulierte ihm zu einem der besten Witze seit Monaten.

 

Meine nächste Frage betrifft nun seine Zeit nach der Schule. Vor allem möchte er wieder mehr basteln und sich dem Bau von Musikinstrumenten widmen und seinen Enkelkindern zeigen, dass man nicht alles kaufen muss, sondern vieles auch selber herstellen kann. Außerdem möchte er sich dem Klavierspielen wieder mehr hingeben, dabei gefällt ihm besonders das Ausprobieren und Improvisieren. Aber natürlich ist es kein Zufall, dass ein Mathematiker und Physiker Musikinstrumente baut, denn dies funktioniert nicht ohne genaue Kenntnisse über Schwingungen und deren Berechnungen. Hierbei spielt besonders die Resonanz eine wichtige Rolle (Stoff der 10./ 11. Klasse Physik). Zudem freut er sich besonders, dass er endlich auch außerhalb der Ferienzeiten mit seiner Familie nach Belieben in die nähere und fernere Welt reisen kann.

 

Als ich ihn dann auf eine gewisse Geschichte mit einem Biber anspreche, muss er lachen. 2005 wollte er mit seinem Hund an der Amper schwimmen gehen. Dummerweise hatten sie nur den Biber-Bau nicht gesehen. Den Hund ließ der Biber noch unbehelligt passieren, doch Herrn Knopp biss er ins Bein. Wie er mir erzählt, war jedoch nicht der Biber, sondern der Arzt das Schlimme, da dieser ihn sehr nachlässig behandelt hat, weil er kein Blut sehen konnte, sodass das Bein fast amputiert werden musste.  

 

Um nun wieder auf die Schule zurückzukommen: Es hat mich auch noch sehr interessiert, wie denn eigentlich seine eigene Schulzeit gewesen sei. Er erzählt mir, dass er sehr viel Literatur gelesen habe. Auch wusste er bereits in der 8. Klasse, dass er Mathelehrer werden wolle. Insgesamt hat er seine Schulzeit als schöne Zeit empfunden, er war, wie er selber sagt, ein nicht immer strebsamer, aber ein aufmerksamer Schüler, er habe im Unterricht alles mitgenommen, was er mitnehmen konnte. Später studierte er in Rumänien Mathematik, aber da ihm dieses Studium aufgrund des Fehlens eines Zweitfaches in Deutschland nicht anerkannt wurde, wiederholte er in München das Studium der Mathematik und wählte als Zweitfach Physik. Ersteres sei bis heute auch sein Lieblingsfach geblieben, da auf die Mathematik einfach mehr Verlass sei; doch er sagt auch, dass er es liebe, physikalische Experimente wie eine Art Zaubertrick vorzuführen. Er erklärt mir, dass man als Lehrer auch immer etwas geheimnisvoll bleiben und seine Zaubertricks nie verraten sollte.

 

Zuletzt frage ich ihn noch, was die lustigsten Schülerantworten waren. Er erzählt von einem Schüler, der fragte, warum der Mond im Februar schneller sei als im Juli, da der Monat im Februar ja nur 28 Tage habe. Eine weitere witzige Schülerantwort war auch die Aussage, Newton habe etwa 100 bis 200 Jahre vor Christi gelebt. Abschließend gibt er mir noch einen schönen Satz über die Mathematik mit auf den Weg: Mathematik ist nicht das stumpfsinnige Rechnen, sondern eine Methode, wie man das Rechnen umgehen kann. Ich denke, das ist es auch, was vielen von uns fehlt. Wir sind so auf das Auswendiglernen getrimmt, dass wir manchmal vergessen, dass es eigentlich noch viel einfacher geht. Wir sehen die Mathematik nur als Feind und vergessen, dass sie auch Spaß machen kann.

[ac]

 

 

Bildquelle "Schreibblock" - freepik.org

Lösungen zu Herrn Knopps Prüfungsaufgaben:

Sündenfall: a) Der gesuchte Winkel beträgt 2,29° b) Aufgrund des sehr kleinen Winkels, unter dem Eva den Apfel erblickt, ist es verständlich, dass Eva die Tragweite ihres Tuns nicht einschätzen konnte.

Tiergeschichte: a) Die Schnecke kriecht mit einer Geschwindigkeit von 144 mm/min. Bei b) und c) sind mehrere Lösungen denkbar: Die Amsel wiegt 85 gr. (nach dem Frühstück). Kasimir hat um 80 gr. zugenommen (weil die Amsel zu spät kam) bzw. um 85 gr. (weil die Amsel pünktlich war). Weitere Lösungsmöglichkeiten ergeben sich, wenn man alle Sättigungsgrade der Teilnehmer durchspielt.

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