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Über Neugierde, Zähigkeit und echte Milch


Von welcher Schule sind Sie zu uns gewechselt?
Ich war eineinhalb Jahre stellvertretende Schulleiterin am Carl-Spitzweg-Gymnasium in Germering. Davor
habe ich zehn Jahre am Ammersee-Gymnasium in Dießen unterrichtet.

Welche Fächer haben Sie unterrichtet und welches hat Ihnen dabei am meisten Spaß gemacht?
Ich habe Deutsch, Englisch und Italienisch unterrichtet. Dabei hat mir Italienisch am meisten Spaß gemacht.

Wenn Sie nicht Lehrerin geworden wären, wären Sie was geworden?
Als ich sechzehn war, wollte ich unbedingt Stewardess werden. Aber ich bin nur 1,56m groß und um Stewardess zu werden, muss man mindestens 1,60m sein. Dann habe ich mich fürs Dolmetschen interessiert, da dieser Beruf auch mit internationalen Beziehungen verbunden ist. Aber diese Tätigkeit ist sehr stressig. Wenn ich heute zurückblicke, würde ich gerne Rechtsanwältin sein. Das finde ich spannend, auch wenn ich wahrscheinlich ein geschöntes Bild von Anwälten vor meinem inneren Auge habe.

 

Was war das Schönste, was ein Schüler je für Sie gemacht hat?

 Als ich vor eineinhalb Jahren das Ammersee-Gymnasium verließ, hat mir ein Mädchen aus der 8. Klasse, die ich drei Jahre unterrichtet hatte, ein Portrait von mir geschenkt. Und diese sehr gute Zeichnung hängt seitdem in meinem Arbeitszimmer.

 

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Schultag, sowohl als Schülerin als auch als Lehrerin?

An meinem ersten Schultag als Schüler bekam ich die Hausaufgabe, etwas auszumalen. Ich war enttäuscht und empört, da ich gedacht hatte, dass ich in der Schule lesen, rechnen und schreiben lerne, und dann musste ich Bilder ausmalen, wie im Kindergarten.

Von meinem ersten Schultag als Lehrer zu sprechen, ist schwierig, weil ich immer schon unterrichtet habe. Ich habe als Schülerin und Studentin Nachhilfe gegeben und als Studentin habe ich auch am italienischen Abendgymnasium Deutsch und Englisch unterrichtet. Einen ersten richtigen Schultag als Lehrerin hatte ich also nicht wirklich.

 

Was war der beste Streich, den Sie als Schülerin einem Lehrer gespielt haben?

Ich war immer das brave Vorzeigekind. Mein Spitzname als Schülerin war Christkind, da ich immer in der ersten Reihe saß und mich ständig gemeldet habe. Das Schlimmste, was ich je gemacht habe, war, dass ich in der 5. Klasse im Musikunterricht dreimal die Blockflöte vergessen habe, wofür ich dann einen Verweis bekommen habe. Aber Streiche habe ich meinen Lehrern keine gespielt.

 

Was war Ihr Lieblingsfach als Schülerin und welches Fach konnten Sie nicht ausstehen?

Ich hatte viele Lieblingsfächer. Ich mochte vor allem die, die etwas mit Sprachen zu tun hatten. Eine gewisse Antipathie hatte ich gegenüber Physik, welches auch mein schlechtestes Fach war.

 

Drei Wörter, die Ihre Schulzeit als Jugendliche beschreiben.

Allein unter Wölfen. Mit meiner Generation kamen die ersten Mädchen auf ein Jungengymnasium. Neben 980 Jungs waren wir nur 20 Mädchen. Dass ich jahrelang nur mit zwei anderen Mädchen in einer Klasse war, hat meine Schulzeit geprägt.

 

Wären Sie noch einmal gerne 18?

Nein, unter keinen Umständen. Mit 18 war ich in der 12. Klasse und ich würde ungern wieder in der Lage sein, nicht zu wissen, was ich mit meinem Leben anfangen soll.

 

Drei Vorsätze, wie sie als Rektorin sein wollen.

Ich möchte gerecht, offen für alles und jeden und kommunikativ sein.

 

Welche Veränderungen wollen Sie am KHG vornehmen?

Ich werde jetzt erst einmal überhaupt nichts ändern, sondern das KHG zuerst einmal kennenlernen. Und dann werde ich schauen, was sich bewährt hat und was abgeschafft werden kann, da die Mehrheit damit unzufrieden ist. Also was es ganz sicher nicht mehr geben wird, ist die Kondensmilch im Direktorat, denn ich hasse Kondensmilch. Es wird auf jeden Fall echte Milch geben.

 

Sie haben beim Kultusministerium drei Wünsche frei.

Ich will mehr Lehrer und kleinere Klassen. Außerdem möchte ich einen hauptberuflichen Technikwart. Im Zuge der Digitalisierung finde ich das wichtig.

 

Welche drei Bücher sollte ein Schüler vor dem Abitur gelesen haben (abgesehen von den Schullektüren) ?

Das ist für einen Deutsch-, Englisch- und Italienischlehrer natürlich eine fatale Frage. Also so aus dem Bauch heraus würde ich sagen: „Der Name der Rose“ von Umberto Eco, „Oliver Twist“ von Charles Dickens und „Die Wartesaal-Trilogie“ von Lion Feuchtwanger.

 

Bereitet die Schule die Schüler gut und ausreichend aufs Leben vor?

Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, dass man alles optimieren kann; aber wir haben im Moment das Problem, dass wir dem Leben hinterherrennen, dass man es aber nie schaffen kann. Man kann als Schule der gesellschaftlichen Entwicklung nicht direkt folgen, man müsste ja ständig die Lehrpläne ändern und die Schulbücher umschreiben. Wir können nur versuchen, die Schüler zu befähigen, dass sie mit dem Leben nach der Schule zurechtkommen, und ihnen zum Beispiel Konfliktlösungsstrategien, Kommunikationsfähigkeiten etc. mitgeben. In der Schule geht es um Kompetenzvermittlung und nicht nur um reine Wissensvermittlung. Also ich glaube, wir bereiten die Schüler ausreichend vor, ob wir sie optimal vorbereiten, das weiß ich nicht.

 

Welchen Rat würden Sie einem jungen Lehrer geben?

Ich glaube das Wichtigste ist, keine Angst zu haben. Und dann habe ich noch einen Spruch, der heißt: Hope for the best and be prepared for the worst. Das heißt, man vertraut den Schülern, dass sie kooperieren, muss aber auch einen Plan B haben, falls sie es nicht tun. Außerdem muss man als Lehrer offen sein und immer ein Ziel für die Unterrichtsstunde haben. 

 

Welchen Rat würden Sie einem Abiturienten geben?

Er muss herausfinden, was er in seinem Leben wirklich machen möchte, Umwege sind dabei völlig in Ordnung.

 

Welchen Rat einem gerade eingeschulten Fünftklässler?

Er sollte sich nicht entmutigen lassen, wenn es mal in der Schule nicht so gut läuft. Falls er mal eine schlechte Note schreibt, dann ist das nicht der Weltuntergang, sondern er muss es als Herausforderung sehen. Außerdem soll er neugierig sein und Fragen stellen.

 

Was hat Schulerfolg mit Lebenserfolg zu tun?

Ich glaube, dass Schulerfolg und Lebenserfolg die gleichen Fähigkeiten erfordern, aber dass das eine nicht automatisch aus dem anderen resultiert. Nicht jeder, der in der Schule gute Noten hatte, ist hinterher erfolgreich im Beruf . Trotzdem glaube ich, dass man mit Neugier, Zähigkeit und Leistungsbereitschaft sowohl in der Schule als auch im Beruf weit kommen kann.

 

Worauf wollen Sie stolz sein, wenn Sie das KHG verlassen?

Ich würde gerne erreicht haben, dass kein Schüler das KHG verlässt, weil er hier keine Perspektive sieht. Und dass es keine ausgebrannten Lehrer gibt.

Ob Frau Groß' Hoffnung am Ende eintreffen wird, zeigt sich in ein paar Jahren. Wir bleiben dran! Erst einmal heißen wir sie auch im Namen des KURTschlusses herzlich willkommen und wünschen ihr einen guten Start und viel Freude bei der Arbeit!

[ps]

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